Einige Erkrankungen

Die Herzerkrankung

„Herzkrankheit“ - Was ist das?
Herzerkrankungen beim Hund entstehen oft durch Schädigungen der Herzklappen oder des Herzmuskels. Durch diese Schäden sinkt die Pumpleistung des Herzens, der Körper wird weniger mit Blut und Sauerstoff versorgt. Um die verminderte Pumpleistung auszugleichen, werden die Blutgefäße im Körper enger gestellt. Zusätzlich wird die Ausscheidung von Flüssigkeit über die Nieren reduziert. Diese Gegenmaßnahmen sollen die Durchblutung lebenswichtiger Organe sichern. Sie führen dazu, dass die zirkulierende Blutmenge zu nimmt und der Widerstand in den Blutgefäßen steigt. Damit erhöht sich allerdings auch die Belastung für das ohnehin schon geschädigte Herz. Dieser Mechanismus, der im Notfall lebensrettend sein kann, führt auf Dauer zu weiteren Schäden und einer weiteren Abnahme der Pumpleistung des Herzens. Zunehmend entsteht ein Rückstau des Blutes in die Lunge oder den Körper. Dieser „Blutstau“ führt zu einem Austritt von Flüssigkeit aus den Gefäßen in die Lunge oder in die Bauchhöhle. Flüssigkeit in der Lunge kann zu Atembeschwerden und Husten führen. Sammelt sich die Flüssigkeit im Bauch an, nimmt der Umfang des Körpers zu. Diese Anzeichen treten allerdings erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium auf.
Wird dieser Teufelskreis nicht rechtzeitig durch eine geeignete Behandlung unterbrochen bzw. verlangsamt, führt er rasch zum tödlichen Herzversagen.

Behandlung – Was bewirken die verschiedenen Medikamente?
Eine richtige und konsequente Behandlung kann die Lebensdauer und -qualität Ihres Hundes deutlich verbessern. Im Rahmen dieser Behandlung werden, je nach Schweregrad der Erkrankung, folgende Ziele verfolgt:

Erweiterung der Blutgefäße und damit Senkung der Pumpleistung, die das Herz aufbringen muss (z.B. ACE-Hemmer),
Verminderung der Flüssigkeitsansammlungen durch ein harntreibendes Mittel (Diuretikum),
Stärkung des Herzmuskels (Herzglykosid).
Eine krankes Herz kann durch die medikamentelle Therapie nicht mehr repariert werden. Der Herzpatient muss deshalb konsequent und lebenslang behandelt werden. Ein Absetzen der Medikamente bei erreichter Besserung führt zum Wiederauftreten der Krankheitserscheinungen. Daher ist die regelmäßiges Gabe der vom Tierarzt verordneten Medikamente wichtig. Nur diese kann die Lebensqualität und die Lebenserwartung Ihres Hundes auf Dauer verbessern.

Was Sie zusätzlich beachtet sollten?
Ist Ihr Hund herzkrank, sollten Sie ihm keine großen Anstrengungen zumuten. Eine regelmäßige und ausgeglichene Bewegung bekommt Ihrem Hund besser. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Hund abnimmt, wenn er übergewichtig ist. Da Natrium Wasser im Körper bindet, sollten Sie bei der Wahl des Hundefutters auf einen möglichst geringen Natriumgehalt achten. Geben Sie keine Leckerlies vom Tisch, weil diese grundsätzlich zuviel Natrium enthalten. Dasselbe gilt für selbstgekochtes Hundefutter. Am besten füttern Sie eine spezielle Herzdiät, die Sie bei Ihrem Tierarzt erhalten. Diese Diät enthält besonders wenig Natrium, hochwertige Eiweiße und viele andere für den Herzpatienten wichtige Bestandteile. Die Umstellung auf die Diät sollte langsam d.h. über ca. 5 Tage vorgenommen werden. Lassen Sie das Futter nicht stehen, füttern Sie lieber weniger, aber dafür öfter. Falls Ihr Hund keinen Appetit hat, können Sie das Futter etwas anwärmen oder anbraten. Es riecht dann besser und wird deshalb lieber aufgenommen.

Mit freundlicher Genehmigung von:
Autor Fr. Dr. Gooss
Bezugsquelle und Copyright
www.intervet.de
 

Herzklappenfehler:

Betroffen sind vorwiegend kleine Hunderassen, die Erkrankung beginnt überwiegend im mittleren Alter.

In 68 % der Fälle mit chronischen Herzkappenerkrankungen ist die Mitral-Klappe betroffen, d. h. die Herzklappe, die zwischen der linken Vor- und Hauptkammer des Herzens liegt.
Durch ungenügende Ventilfunktion wird zu wenig Blut in den Organismus gepumpt und das Blut teilweise in die Lungen zurückgestaut.
Anfangs ist dies für den Halter nicht erkennbar, daher sollte der Hund regelmäßig abgehört werden, da es sonst zu einer Verschleppung der Krankheit kommt.

Wichtigste Anzeichen:
Der Hund ist müde, schlapp, liegt viel
Die Schleimhautfarbe weicht von der normalen rosaroten Farbe ab, ist blass oder zeigt eine leichte Blaufärbung

Typische Anzeichen:
Nach dem Aufstehen husten die Hunde, es sieht oft wie ein Würgen aus, dies passiert auch oft in der Nacht.

Durch die nicht mehr ausreichende Herztätigkeit lassen Blutdruck und Blutzirkulation nach und ein bestimmter Steuermechanismus bewirkt folgendes:
1. eine Gefäßverengung
2. eine verstärkte Flüssigkeitsaufnahme in den Kreislauf
Insbesondere das Enzym Angeiotensin-Converting-Enzym (=ACE) trägt maßgeblich dazu bei.

Durch die regelmäßige Behandlung mit so genannten ACE-Hemmern wird dies gesteuert und das Herz entlastet. Letztendlich findet die Schonung des kranken Herzens durch die Blutdrucksenkung statt. Evtl. verordnet der TA noch eine Herzdiät, besonders bei übergewichtigen Hunde muss das Gewicht reduziert werden.

Zur Kontrolle ist es ratsam, den Hund regelmäßig zu wiegen, ein rapides Ansteigen des Gewichtes kann einen Rückschluss auf Wasser in Bauch/Lunge ergeben.
Chihuahuas sind in der Regel zwischen dem 8. bis 12. Lebensjahr anfällig für einen Herzklappenfehler. Werden erkrankte Hunde medikamentös behandelt und richtig ernährt (evtl. Herzdiät) können sie ein rassetypisches Alter erreichen. In vielen Fällen ist eine zusätzliche Behandlung mit Entwässerungstabletten notwendig, die dazu beitragen, die Flüssigkeitsansammlungen auszuschwemmen.
Genauen Aufschluss gibt zusätzlich ein EKG bzw. eine Röntgenaufnahme (hier kann eine Vergrößerung der entsprechenden Organe festgestellt werden).
Es ist daher sehr empfehlenswert, seinen Hund spätestens ab dem 8. Lebensjahr 2 x jährlich vom Arzt untersuchen zu lassen. Die einzelnen Klappen machen Geräusche, die sog. Herztöne, die "rein" sein sollten, also keine Strömungsgeräusche etc.

Patella-Luxation

Die Patella, die Kniescheibe, ist ein Teil des Kniegelenkes. Das Kniegelenk ist ein sehr kompliziertes Gelenk, da in ihm nicht nur Scharnier-, sondern auch Drehbewegungen ausgeführt werden können. Achten Sie doch einmal darauf, wenn Sie den Fuß drehen, wie sich ihr Unterschenkel im Kniegelenk mit dreht. Um dies zu ermöglichen, finden wir mehr Strukturen in diesem Gelenk als in anderen. Die Menisken, als mandarinenförmige Gebilde zwischen Oberschenkel und Schienbein eingelagert, dienen als Drehgestelle. Zur zusätzlichen Stabilisierung bedarf es neben kräftigen Seitenbändern des vorderen und hinteren Kreuzbandes. Einer der stärksten Muskeln des Körpers streckt das Kniegelenk. Er kommt vom Beckenbereich und setzt mit seiner Endsehne am vorderen oberen Ende des Unterschenkels an. Damit diese Sehne beim Abknicken ihre Funktion erfüllen kann, liegt in ihrem Ende die Kniescheibe, die wie ein Bob in seiner Bobbahn auf dem unteren Ende des Oberschenkels gleitet. Wenn die Kniescheibe ihre Bobbahn verlässt, nennt man das Patella-Luxation. Dies kann zur inneren wie zur äußeren Seite geschehen. Die Ursachen hierfür sind oft sehr komplexer Natur.

Ursachen
Die einfachste und nicht erbliche tritt durch Gewalteinwirkung von außen ein. Die Bänder in der Gelenkkapsel, die der Kniescheibe den seitlichen Halt geben, werden dadurch gedehnt oder reißen sogar. Da die Zugrichtung der Sehne, in der die Kniescheibe liegt, normalerweise gerade zu ihrer Gleitbahn ist, wird die Kniescheibe nur bei extremen Bewegungen aus ihrer Bahn herausrutschen.

Bei angeborenen Fehlstellungen, den so genannten 0- oder X- Beinen, wird die Kniescheibe bei der Bewegung des Kniegelenks immer schräg zu ihrer Bahn gezogen. Hierdurch werden die Seitenbänder auf Dauer überlastet und dehnen sich. Bei 0-Beinen springt die Kniescheibe nach innen und bei X- Beinen nach außen heraus. Besonders bei kleinen Hunden ist oft die Rinne, in der die Kniescheibe gleitet, unterentwickelt. Das allein kann die Ursache der Erkrankung sein. Oft ist die Unterwicklung der Rinne aber auch mit den Fehlstellungen oder ungewöhnlich starken Drehbewegungen durch Laxheit der anderen Bänder der Kniegelenke verbunden. Da bei diesen erblich bedingten Patella-Luxationen mit fortschreitendem Alter die Bänder durch dauernde Überbeanspruchung ihre Festigkeit verlieren, haben die betroffenen Tiere mit den Jahren zunehmende Probleme beim Laufen.

Unterschiedliche Schweregrade
Die Patella-Luxation wird in vier verschiedene Ausprägungsgrade eingeteilt: Kann die Kniescheibe ihre Bahn nicht verlassen, liegt Grad 0 vor. Bei Grad l springt sie wieder spontan zurück. Die betroffenen Hunde zeigen bei dieser Ausprägung den typischen Wechselschritt. Eine Einteilung in Grad II und III wird vorgenommen, wenn die Kniescheibe zwar noch zurückverlagert werden kann, aber die Bewegungseinschränkungen zunehmen. Ob und welche Therapie in diesen Fällen eingeleitet wird, muss im Einzelfall entschieden werden. Kann die Kniescheibe auch durch Manipulation des Untersuchers nicht mehr in ihre Rinne zurück verlagert werden (Grad IV), bestehen so erhebliche Bewegungsstörungen, dass nur noch eine Operation dem Hund die Lebensfreude wieder zurückbringt.

Je nach Ursache müssen unterschiedliche Verfahren gewählt werden. Eine Verlegung des Ansatzes des Bandes, in dem die Kniescheibe liegt, bringt sie in die korrekte Zugrichtung und verlagert sie wieder in ihre Bahn zurück. Ist diese aber zu flach, dann muss sie vertieft werden. Eine Raffung der seitlichen Kniescheibenbänder gibt zusätzlichen Halt, ist aber allein nie ausreichend. Sind mehrere Ursachen für die Luxation verantwortlich, muss oft eine Kombination verschiedener Operationsmethoden vorgenommen werden. Das Vorgehen entscheidet der Chirurg individuell bei jedem Hund nach einer gründlichen Voruntersuchung, zu der auch Röntgenaufnahmen aus verschiedenen Richtungen gehören.

Dr. med. vet. Heinrich Grußendorf
Quelle: Zeitschrift Lebendige Tierwelt 2.2000